Colombo Joseph Max

10 Mai 1877 München – 5. September 1970 Ammerland

Columbus Joseph Max, genannt Colombo Max, war Akt-, Landschafts- und Porträtmaler, und wie sein Bruder Corneille Max, auch Porträtist. Er entstammt einer verzweigten, aus dem böhmischen kommenden Künstlerfamilie. Sein Großvater war jener Bildhauer, der die Heiligenfiguren der Moldau Brücke in Prag schuf, sein Vater war der geadelte Münchner Maler aus dem Kreis um Lenbach, Leibl, Seidl und Gedon, Gabriel Ritter von Max (1840-1915), der seine Kinder nicht nach Heiligen, sondern nach Persönlichkeiten der Geschichte, wie den Seefahrer Columbus oder den Dichter Corneille taufen, vom Schulunterricht befreien und durch Privatunterricht erziehen ließ. Vom Vater erhielt Colombo seinen ersten Malunterricht. Zudem besuchte er die Schule von Azbe in München, war dann an der Akademie Schüler von Gabriel von Hackel und Wilhelm von Diez. Colombo, der eigentlich Bildhauer werden wollte, unternahm zusammen mit dem späteren Bildhauer Joseph Wackerle, dessen Ziel dagegen zunächst war ,Maler zu werden zu werden, eine erste Italienreise , wobei beide ihr jeweiliges Berufsziel änderten. So waren die ersten künstlerischen Arbeiten von Colombo Max Terrakottareliefs, die den Stil Adolfs Hildebrandts, in dessen Villa Max einige Jahre in der Toskana verbrachte, in begabter Weise aufnahmen. Einen ersten künstlerischen Wandel bewirkte seine Kopiertätigkeit nach alten Meistern in Italien (Uffizien, Vatikan) und in Paris (Louvre), aber auch in München (Pinakothek). In Ammerland am Ufer des Starnberger Sees im Haus Max aufgewachsen und nach Reisen wieder dort lebend und wirkend, verdichteten sich die Stimmungseindrücke der Seelandschaft in seinen Bildern. Es entstanden zunächst eine Reihe von Uferansichten. Mit und ohne Staffagen, mit badenden Mädchen, wie „Laufende am Meer“, Seestimmungen wie „Westwind“ oder „Blick über den Starnberger See nach Tutzing“ oder „Föhn“. Seine Verbundenheit mit dem Seethema ließ ihn auch auf Reisen, etwa an der Hafel, nach Frankreich und Belgien – überwiegend Seen- Meer- und Flußlandschaften aufsuchen, wie die Bilder „Ufersilhouette in Potsdam“ oder Usedom in Schweden“ zeigen. In Italien, vor allem San Fruttuoso an der Riviera, Rom, die Capagna, Ischia und Sizilien suchte er immer wieder auf, noch im letzen Lebensjahrzehnt wirkte er längere Zeit in Orbetello.

Der Stil Colombos, von der Landschaft und den Akt ausgehend, wobei er in Bildern wie „ Jugendliche Diana“ oder „Reigen“ gerne knabenhafte, tanzende Mädchen vorstellte, zeigt schon erstaunlich früh, nämlich bereits in den Jahren 1905 bis 1910, Vorwegnahme der plakativ-markanten Malweise der zwanziger Jahre; so nehmen vor allem seine symbolischen aufgefaßten Mädchenakte bereits in diesen Jahren den Stil vorweg, der in Frankreich als typische Art-deco-Haltung erst ein Jahrzehnt später in Erscheinung trat. Die Neigung zum Symbolischen ist auch auf den Einfluß des Vaters , der als Mystiker der Münchner Künstlerszene bekannt war, .Ab 1924, mit dem frühen Tod des älteren Bruders Corneille, der als Porträtmaler hauptsächlich Kinderbildnisse schuf, übernahm Colombo dessen Klientel, womit sich auch ein Stil- und Themenwandel im Werk des Malers ergab. Seine Ehefrau Paula Max war als Graphikerin (Schöpferin des „Sarotti Mohrs“) tätig. Als ehemalige Tänzerin vermittelte sie auch Porträtaufträge mit bekannten Personen aus Künstlerkreisen, wie dem um die bekannte Tänzerin Niddi Impekoven, die Colombo porträtierte. Als Porträtist in Ammerland lebend, übernahm er aber auch Aufträge für Fresken an Landvillen der Umgebung. Von seinen dekorativen Aufträgen sind die verschollenen Ausstattungsgemälde im Schauspielhaus München und Fresken in verschiedenen Kirchen, wie in Kirchham (Gemeinde Griesbach), Stadteisenach und Weilheim zu nennen, oder das Deckenbild in der kleinen Kirche in Holzhausen am Starnberger See.

Colombo Max war Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft und stellte im Kreis dieser Gruppe mehrmals im Glaspalast aus, so etwa 1929 eine „Tänzerin“, oder 1930 „Die goldene Maske“. 1931, nach dem Brand des Glaspalastes, war er in der Ersatzausstellung im Deutschen Museum in München mit „Porträt eines Innsbrucker Skiläufers“ vertreten. In der NS Zeit bliebe lukrative Porträtaufträge aus, die Familie Max stand in der Widerstandsbewegung, der Adoptivsohn Dr. Max wurde von den Nationalsozialisten in Grünwald erschossen). Percy Adlon schuf Anfang der achtziger Jahre einen Fernseh-Dokumentarfilm über die Künstlerfamilie Max. Zum 100. Geburtstag wurde in der Schule Holzhausen am Starnberger See im August 1977 eine Gedächtnisausstellung veranstaltet, mit einem Prospekt von Wolfgang Naager. 1986 fand im „Haus Max“, Ammerland, eine Ausstellung seiner Zeichnungen und Gouachen statt.

Alexander Rau
Aus: Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst, München 1994